März 2025
Frühling! Weckt nicht schon allein dieser Begriff neue ‚Lebensgeister‘ in uns? Mir jedenfalls geht es so, und zwar jedes Jahr aufs Neue. Wenn ich morgens wieder vom Flöten der Amseln geweckt werde, die Sonne täglich mehr an Kraft gewinnt und zahllose grüne Pflanzenspitzen den viel zu lange kahl gewesenen Erdboden durchbrechen, dann fühle auch ich wieder neue Energie durch meine Adern fließen.
Ich habe quasi „Ahoi-Brause im Herzen“, wie in dem Zitat, das ich neulich las: Frühling ist immer ein bisschen wie Ahoi-Brause im Herzen. Plötzlich prickelt es in mir, ich kann kaum mehr stillsitzen, möchte in meinen Garten gehen, die Sonne im Gesicht spüren und mit bloßen Händen im Boden wühlen in der Hoffnung, damit die Blümchen zu schnellerem Wachsen zu bewegen. Was so selbstverständlich nicht funktioniert, mir aber dennoch viel Freude macht. Und jede neue Pflanze, die dem Tageslicht entgegenwächst, begrüße ich begeistert. Sie hat einen langen, kalten Winter über unter der Erde ausgeharrt und darf sich jetzt endlich wieder voll entfalten – wenn das mal keinen Applaus wert ist!
Und speziell diesen Winter ist, verborgen vor allen anderen Augen außer meinen eigenen, auch ein neues Manuskript herangewachsen, das jetzt die erste grüne Spitze nach oben schiebt. Denn es steht kurz vor seiner Vollendung. Nur noch wenige Tage, und ich werde das vielsagende Wort „Ende“ unter den letzten Absatz schreiben! Um danach mehr oder weniger geduldig abzuwarten, dass es vom Setzling zur Pflanze heranwächst, sich ausbreitet und in den Händen seiner Leser dann zu blühen beginnen kann …
Dezember 2024
Nur noch wenige Tage sind es bis Weihnachten. Als ich heute morgen den Adventskalender öffnete, fand ich ein typisch-humorvolles Gedicht von Joachim Ringelnatz. Allerdings zum Thema Silvester, nicht zum Thema Weihnachten. Ein bisschen verfrüht, dachte ich, schon vor Weihnachten an das Jahresende und den Beginn eines neuen zu denken. Aber ist es das wirklich?
Auf Weihnachten, das Fest der Geburt unseres Erlösers, bereiten wir uns wochenlang vor, und das genieße ich auch. Zumindest, solange ich mich nicht vollständig in praktischen Vorbereitungen wie dem Besorgen von Geschenken, den Besuchen der üblichen Veranstaltungen und der Planung und Zubereitung des Festessens verliere. Mir stattdessen mitunter Zeit nehme, an den eigentlichen Anlass dieses fröhlichen Festes zu denken. Jesus, the Reason for the Season – dieser Slogan, auf den ich neulich stieß, gefällt mir wirklich gut! Jedenfalls haben all diese Vorbereitungen, innerliche wie äußerliche, die Tendenz, den Gedanken an das Jahresende vollkommen in den Hintergrund zu drängen.
Dann gehe ich nach den Festtagen zum ersten Mal wieder einkaufen, für mich immer das Zeichen der Rückkehr in den Alltag, sehe überall das Feuerwerkszubehör für Silvester und registriere, dass es tatsächlich schon fast so weit ist: „Die Kirchturmglocke schlägt zwölfmal Bumm. Das alte Jahr ist wieder mal um.“, wie Ringelnatz es ausdrückt. Und jetzt erst beginne ich, darüber nachzudenken. Ich beginne, das vergangene Jahr zu reflektieren, um daraus idealerweise für das kommende zu lernen. Und ich beginne, ganz bewusst der Dankbarkeit für alles Positive Raum zu verleihen, und auch das Negative und meine Sorgen und Ängste vor Gott zu bringen. Wie gut, dass ich wenigstens ein, zwei Tage „zwischen den Jahren“ Zeit dafür habe – und dieses Jahr dank Ringelnatz sogar noch etwas mehr!
In diesem Sinne möchte ich hier zumindest eines meiner schönsten Erlebnisse aus dem Jahr 1924 anführen: das Erscheinen meines Romans „Das Versprechen eines neuen Tages“ und die Leserreaktionen darauf. Ich freue mich so sehr, dass das fiktive Leben der Jüdin Betti bereits viele Leser zum Nachdenken, Mitdenken und -fühlen bringen durfte und hoffe, dass es das auch weiterhin tun wird, über das Jahresende und das neue Jahr hinaus.
Zum guten Schluss wünsche ich allen ein gesegnetes, friedvolles Weihnachtsfest und einen bewussten, dankbaren und trotz aller Probleme zuversichtlich gestimmten Übergang ins Jahr 2025!
September 2024
Nun sind sie also vorbei, die ersten spannenden Tage nach dem Release meines Romans „Das Versprechen eines neuen Tages“.
Dafür treffen erste Rezensionen ein, und zu meiner großen Freude enthalten sie genau das, was ich mir erhofft habe: Die Leser erfassen die Atmosphäre des Buches, den trotz der unvorstellbar tragischen Handlung hoffnungsvollen, zuversichtlichen Grundtenor. Leserinnen sind bewegt, ergriffen und zum Nachdenken angerührt. Wenn dies letztendlich dazu führt, dass der eine oder andere Leser auch für sein eigenes Leben etwas daraus mitnehmen kann, geht für mich ein Herzenswunsch in Erfüllung.
Denn genau das steckt hinter meinem Leitspruch „Geschichten. Aus dem Leben. Für das Leben.“ Ich entnehme etwas aus dem Leben – ein historisches Ereignis, eine historische Persönlichkeit, spezielle Umstände oder ein spezielles Setting und setze es in den Kontext einer neuen, fiktiven Geschichte, aus der wiederum der Leser etwas in sein eigenes Leben mitnehmen kann. So erhoffe ich mir das jedenfalls. Und wenn ich schließlich spüren kann, dass dieser Fall wirklich eintrifft, bin ich auch selbst „ergriffen“ und zugleich unendlich dankbar.
So genieße ich derzeit dieses Gefühl der Dankbarkeit. Und nicht zuletzt auch die ersten Anzeichen des Herbstes um mich herum. Kühlere Temperaturen und rasch dahinziehende Wolken am Himmel, die sich immer wieder in Regenschauern entladen und letztendlich dazu führen, dass abends wieder ein anheimelndes Feuer im Kaminofen flackert. Dauerregentage, an denen es keinen gemütlicheren Arbeitsplatz gibt als mein kleines Schreibzimmer. Klare, windige Tage, an denen ich mit meinem Hund über abgeerntete Felder spaziere und beobachte, wie er voller Begeisterung seine Nase in jedem Mauseloch versenkt. Nicht zu vergessen den Geruch reifen Obstes und das Rascheln trockener bunter Blätter unter meinen Füßen…
Auch euch wünsche ich einen Herbst, den ihr mit allen Sinnen genießen könnt, und einen Stapel lesenswerter Bücher für die immer länger werdenden dunklen Abendstunden!
Juli 2024
Liebe Leserin, lieber Leser,
der Countdown läuft! Und zwar für die Veröffentlichung meines neuen Romans, „Das Versprechen eines neuen Tages“. Am 19. August ist es so weit, und „Das Versprechen“ darf in die ersten Häuser einziehen. Idealerweise auch in die ersten Leserherzen. Denn dieser Roman ist für mich ein sehr persönliches Buch.
Bis zu einem gewissen Grad ist natürlich jeder Roman „persönlich“ für dessen Autorin. Sie schreibt einem Protagonisten gewisse Eigenschaften zu, die sie bei anderen oder aber an sich selbst beobachtet. Möglicherweise baut sie ein persönliches Erlebnis in die Handlung mit ein oder gestaltet das Setting nach ihren persönlichen Vorlieben oder nach Umständen, die sie selbst gut kennt. All das gilt auch für mich und „Das Versprechen eines neuen Tages“, aber gleichzeitig noch so viel mehr.
Dieses Werk ist mein ureigenster, spezieller Gedenkstein auf den Gräbern aller jüdischen Menschen, die in der Shoah (dem Holocaust) ihr Leben lassen mussten. Warum ich einen solchen „Gedenkstein“ setzen möchte? Weil ich explizit auf dem Grund und Boden lebe, wo einst der Zaun um ein kleines Außenlages des KZ Dachau lief. Etwa eintausend jüdische Frauen und Jugendliche aus Ungarn und Polen waren hier untergebracht, die unter übelsten Bedingungen zur Arbeit in einem geheimen Flugzeugbauwerk im Wald gezwungen wurden. Man stelle sich vor: An dem Ort, wo ich in Freiheit und Frieden meine Kinder großziehen durfte, litten diese Menschen unter grausamen Misshandlungen. An dem Ort, wo ich heute die Früchte meines Gemüsegartens ernte, litten sie unter bohrendem Hunger und Durst. An dem Ort, wo ich heute jeden Abend vergleichsweise sorgenfrei zu Bett gehen darf, fanden sie vor tiefstem Kummer und Leid keinen Schlaf.
Also wer, wenn nicht ich, sollte die Erinnerung an sie wachhalten, und damit verbunden den Weckruf, dass dergleichen nie wieder geschehen darf? So nahm ich die Person eines jungen deutschen Flugzeugwartes, auf den ich bei meinen Recherchen stieß, und schuf aus ihm meinen Protagonisten Konrad. Aus einer der 16-jährigen ungarischen Jüdinnen im Lager wurde Betti, die an seiner Seite im Flugzeugwerk arbeiten muss, und beide gemeinsam erleben im Frühjahr 1945 die letzten Monate des zweiten Weltkriegs. Jahre später stehen sie einander erneut gegenüber…
Alles Weitere zu den historischen Hintergründen meines Romans findest du im Buch selbst und auf meiner Bonusseite. Und falls das Geschehen dir ebenso nahe geht wie mir persönlich beim Schreiben, würde ich mich sehr über eine Rückmeldung freuen!